Spaß mit der Telekom
3. April 2011Eigentlich hatte ich mit der Umstellung von Telefonanschlüssen immer Glück gehabt (also Festnetz jetzt. Fragt mich nicht nach Vodafone). Von Problemen mit der Telekom hatte ich bisher immer nur von anderen gehört – bis zu unserem letzten Umzug. Hier eine kurze Zusammenfassung.
Wir wollten den Umzug am 4. Februar 2011 in unser neues Haus der Telekom früh anzeigen und telefonieren bereits am Dezember 2010 mit der Hotline. Die Umschaltung buchen wir der Einfachheit halber zum 1. Februar. Eine fürchterlich unkooperative Dame am anderen Ende der Leitung berechnet uns 60€ Ummeldegebühren und lässt leider nicht mit sich verhandeln.
Gleichzeitig bemühen wir uns darum, dass der Anschluss der Vorbesitzer des Hauses bei NetCologne rechtzeitig gekündigt wird. Das klappt auch reibungslos, irgendwann weiß sogar die Telekom davon. Ein kryptisches Schreiben der Telekom scheint den Umzug zu bestätigen.
Alles aus (das klappt immer)
Zum 1. Februar schaltet die Telekom dann auch wie versprochen in unserer alten Wohnung das Telefon ab. Drei Tage vor dem Umzug gehen wir davon aus, dass im gleichen Moment in unserem neuen Haus die Telefonleitung zugeschaltet wurde.
Natürlich bleibt zum Einzug am 4. Februar die Leitung tot. Es folgt eine Odyssee an der Telekom-Hotline deren Chronologie ich leider nicht mehr vollständig wiedergeben kann – in den ersten Wochen ahnt man ja nicht, dass sich das Mitschreiben gelohnt hätte.
Nachdem man uns jedenfalls einige Male vorsorglich um ein paar Tage vertröstet hat (Standard ist bei der Telekom offensichtlich “6-8 Werktage”), beginnen wir, an der Hotline mehr Details zu erfragen. Offensichtlich ist keine Leitung mehr frei. Wie das denn sein kann, fragen wir, wo doch die Vorbesitzer des Hauses bereits Telefon und DSL angemeldet hatten. Ja, da hätte vielleicht jemand schon länger gewartet und uns dann den Anschluss weggeschnappt. Genau könne man das nicht sagen. Wie das denn sein kann, wo der Umzug doch seit Dezember bekannt ist? Keine Ahnung. Und jetzt? Da muss ein Techniker ran. 6-8 Werktage.
Nach 6-8 Werktagen und natürlich immer noch totem Telefon ist dann auf einmal eine “Tiefbaumaßnahme” nötig. Nochmal 6-8 Werktage. Immerhin erlässt man uns die 60€ Umzugsgebühren. In der Zwischenzeit setzen wir der Telekom mal per Einschreiben eine Frist bis Anfang März. Hören werden wir davon nie etwas.
Wir versuchen, mehr über die Tiefbaumaßnahme herauszufinden, was uns viele Anrufe bei der Hotline beschert. Hin und wieder schreie ich die penetrante Computerstimme an, die einen immer nach der Telefonnummer und dem Anliegen fragt, nur damit der Berater am anderen Ende dann doch nie weiß, worum es geht und trotzdem noch mal die Kundennummer haben will. Nach einem unerfindlichen System wird außerdem sichergestellt, dass man bei einem zweiten Anruf garantiert nicht bei einer Person auskommt, mit der man schon einmal gesprochen hat. Man hat Glück, wenn man im gleichen Bundesland landet. Bei einem Gespräch bitte ich einmal darum, einer Kollegin, die mich zurückrufen wollte, etwas auszurichten. Nein, das sei nicht erlaubt.
Oft verspricht man uns, uns mit einer entsprechenden Information zurückzurufen, aber das klappt höchstens jedes zweite Mal. Auch das Durchstellen ist Glücksache. Und “Ich frag da mal nach” könnte manchmal auch “Ich leg dann jetzt auf” heißen.
Phantom-Maßnahme
Zurück zur Tiefbaumaßnahme. Irgendwann bekommen wir die Telefonnummer der Stelle, die die Tiefbaumaßnahme durchführen soll. Erreichbar ist dort zunächst aber niemand. Endlich kommen wir durch, nur damit man uns mitteilt, da gäbe es gar nichts zu tun. “Keine Ahnung, wie die auf die Idee kommen. Von unserer Seite ist alles bereit!” heißt es da.
Mit dieser Information in der Tasche kommen wir an der Hotline ein Stück weiter. Nebenbei erfahren wir, dass aus unserem “Call & Surf Comfort”, sprich Telefon und DSL-Flat, ein popeliger Standard-Telefonanschluss ohne DSL geworden ist. Der Mensch am anderen Ende der Leitung lässt sich überreden, das wieder zu ändern. Allerdings braucht das seine Zeit. Zunächst sollen wir daher nur einen einfachen analogen Telefonanschluss bekommen. Erst wenn der funktioniert, kann DSL aufgeschaltet werden. Das werde dann aber noch mal 6-8 Werktage dauern.
Für den analogen Anschluss muss ein Techniker kommen. Warum auch immer. Techniker kommen bei der Telekom ja immer zwischen 8 und 17 Uhr, da offensichtlich davon ausgegangen wird, dass sonst auf der Welt auch niemand arbeiten muss. Vielleicht wegen unserer schon ausgeprägten Leidensgeschichte erklärt man sich bereit, den Techniker aber ausnahmsweise erst ab 17:00 Uhr zu uns zu schicken (“versprochen!”), außerdem soll er vorher anrufen, damit ich aus der Firma kommen kann. Handynummer wird durchgegeben.
Am Tag des Technikerbesuchs komme ich unangerufen aus der Firma zurück und finde einen Zettel im Briefkasten. Um 13:50 war jemand da. Mehr ist auf dem unmotiviert ausgefüllten Wisch nicht zu entziffern. An der Hotline Ratlosigkeit. Im Auftrag stand nichts von einem späteren Termin. Und der Anruf? Ich lasse mir die Handynummer vorlesen. Es ist meine alte, die ist seit über einem Jahr nicht mehr gültig – die muss noch im System gestanden haben. Warum die neue Nummer nicht dabei steht, kann sich keiner erklären. Ich gebe sie nochmals durch. Immerhin erlässt man uns die 60€ Umzugsgebühren.
Wie schließlich der Techniker beim zweiten Versuch zu uns kam, weiß ich nicht mehr. Angerufen haben kann er aber nicht, denn ich werde noch bei zwei weiteren Versuchen feststellen, dass sich meine alte Handynummer penetrant im System hält, während die neue sich in Luft auflöst. So kann uns natürlich auch keiner zurückrufen. Immerhin ist mit dem Technikerbesuch aber ein Etappensieg errungen: Wir haben Telefon.
Ich rufe gleich bei der Hotline an, um das auch der Telekom mitzuteilen. Wer weiß, wann die das sonst erfahren. Schließlich muss mit der Aufschaltung von DSL begonnen werden, ich will das in 6-8 Werktagen ja haben.
Nach 6-8 Werktagen leuchtet am Router immer noch die rote Lampe. Also wieder Hotline. Die Computerstimme sagt, ich könne mir meinen Auftragsstatus auch im Internet ansehen. Ich schmeiße das Telefon fast an die Wand. Immerhin erlässt man uns die 60€ Umzugsgebühren.
Gebühren erlassen nach Art der Telekom
Langsam wundern wir uns, warum uns immer wieder die Umzugsgebühren erlassen werden. Sollte das nicht im System bekannt sein? Wobei “das System” natürlich eine Beschönigung ist, mindestens drei Systeme laufen nach unserer Erfahrung parallel, und selten sind die Informationen in allen Systemen gleich oder wenigstens nicht widersprüchlich. Das “alte System” können nur noch wenige Auserwählte bedienen. “Da hatten Sie aber Glück, dass sie letztes Mal an jemanden gekommen sind, der das bedienen kann” höre ich einmal.
Wir fragen also wegen der Erlassung der Gebühren nach. “Nein, da steht hier nichts von” ist die lakonische Antwort. Dafür erfahren wir, das eine Rechnung über 130 € uns elektronisch zugestellt wurde: 60 € Umzugsgebühren, die Grundgebühr für Februar, und die Anfahrtskosten für einen Techniker, der niemanden angetroffen hat. Die Dame am anderen Ende der Leitung hat glücklicherweise Verständnis für unseren Einspruch. Die Rechnung sei aber schon raus, das könne man erst mit der nächsten Rechnung wieder rückgängig machen. Da wir momentan keinen Internetzugang haben, schickt Sie uns aber netterweise eine Kopie der 130-Euro-Rechnung auf Papier, wofür weiß ich nicht, es war wohl nett gemeint.
Irgendwann werden aus den 6-8 Werktagen bei einem der gewohnten Beschwerdeanrufe dann 3-4 Werktage. Oh, denke ich, jetzt geht’s ab. Schließlich nennt man uns Donnerstag, den 17. März als Umschalttermin. Schriftlich wird uns ein Termin übrigens nie bestätigt. Dafür erhalten wir zwei identische “Willkommen bei der Telekom”-Heftchen mit Anleitungen und Installations-CD für den Internetzugang.
Endspurt
Der Donnerstag kommt und nichts geht. Ich bekomme den Eindruck, dass die Leitung steht, aber nur der T-Online-Zugang gesperrt ist. Zumindest sagt mir das mein Router. Auch in der Störungsstelle kann man die Leitung messen und sieht kein Problem. Es folgt eine mindestens dreistündige Reise durch unzählige Hotlines von Telekom und T-Online. Zwischendurch ruft sogar jemand von der Telekom für uns bei T-Online an (und hängt in der Warteschleife). Keiner weiß Bescheid, wir bestehen aber darauf, nicht weiter vertröstet zu werden. Einer unserer Anrufe endet abrupt, weil der Mitarbeiter der Telekom offensichtlich keine Lust auf einen Problemkunden hat, pampig wird und mit den Worten “ich kann Ihnen nicht weiterhelfen” einfach auflegt. Ein anderer Mitarbeiter denkt, das Problem gelöst zu haben, was die Aktion verlängert, aber nicht wirklich weiterhilft. Irgendwann geben wir auf und finden uns mit unserem neuen Termin, Samstag, ab.
Auf der Suche nach einer wenigstens finanziellen Entschädigung für soviel Theater und hohe Handykosten landen wir schließlich bei einem offensichtlich wichtigeren Menschen. Der darf uns zwei Monate Grundgebühr gutschreiben und weiß auch gleich, warum unser DSL immer noch nicht geht. Er versichert und glaubwürdig, dass es am Samstag tatsächlich funktionieren wird und lässt uns sogar eine direkte Rufnummer da, unter der wir an der normalen Hotline vorbei ihn oder einen Vertreter erreichen können.
Am Samstag geht dann tatsächlich das grüne Licht an. Wir sind drin. Das war ja einfach.
